Radhasoami

Radhasoami (gesprochen Radhaswami) ist der Name Gottes in einer bestimmten Ausprägung des Sant Mat. Die Anhänger dieser Religion werden meist Radhasoami-Satsangis genannt.

Der Radhasoami-Glaube, der aus Indien stammt, ist monotheistisch und steht in der Bhakti-Tradition. Durch seine Nähe zu den Lehren von Kabir Sahib, Guru Nanak und anderen ist er auch mit dem Sikhismus verwandt. Seine Anhänger berufen sich auf Shiv Dayal Singh, genannt Soamiji Maharaj (1818 - 1878). Der 1861 gegründeten Religion gehören heute weltweit etwa 2 Millionen Mitglieder an.


Lehre

Zu den Radhasoami-Glaubenslehren gehören die Existenz Gottes, die Einheit der Essenz Gottes mit der Seele des Menschen, und der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod. Der Mensch besteht nach der Glaubenslehre aus den drei Teilen Körper, Geist und Seele, wobei die ersten beiden sterblich, die Seele jedoch unsterblich ist. Da die Essenz der menschlichen Seele (Atman) mit der Essenz Gottes (Param Atman) gleich ist, stellt der Mensch eine mikrokosmische Abbildung der gesamten Schöpfung dar.

Nach der Radhasoami-Glaubenslehre hat nicht der Körper eine Seele, sondern die Seele hat einen Körper. Die jenseitige, spirituelle Realität ist die eigentliche. Die Seele ist bereits im Himmel (Sat Lok), sie ist außerhalb von Raum und Zeit, auch wenn sie sich dessen nicht bewusst ist und die physische Welt für real hält. Die Menschen haben jedoch bereits jetzt, und zu ihren Lebzeiten, Zugang zur spirituellen Realität: die Seele hat das Vermögen, spirituell, „nach innen“, zu sehen und zu hören. Unter der Anleitung eines Meisters, der die dafür notwendige Technik bereits beherrscht und vermitteln kann, kann jeder Mensch durch Meditation diese „Bewusstseinsreise nach innen“ erlernen, das „innere Licht“ sehen und den „inneren Klang“ hören, die Zeichen des „inneren Lebens- und Energiestromes“. Diese Meditationstechnik wird Surat Shabd Yoga („Vereinigung mit Gott“) genannt.

Satgurus und Zweige

Grundlegend für die religiöse Praxis der Radhasoami-Tradition ist die Guruverehrung und die Gemeinschaft mit einem spirituellen Lehrer im Satsang. Es wird geglaubt, dass Gott (Radhasoami) von Zeit zu Zeit heilige und erleuchtete Seelen auf die Erde sendet, um die Menschen in spirituellen Dingen zu unterweisen (z.B. Buddha, Jesus, Meister Eckhart, Guru Nanak usw.), dass jede Religion der Welt ein Überbleibsel der Lehren eines solchen Lehrers ist, und dass auch die Gurus ihrer Religion solche gottgesandten erleuchteten Lehrer darstellen. Diese „lebenden Meister“ werden Satguru genannt (wörtlich „wahrer Lehrer“), auch häufig Sant Satguru (Sant bedeutet etwa soviel wie Heiliger).

Der Religionsgründer Shiv Dayal Singh wird als Inkarnation Radhasoamis angesehen. Hierin besteht ein Unterschied zur Lehre Guru Nanaks und dem Sikhismus, wonach sich die höchste Gottheit niemals in Raum und Zeit inkarniert. Als er 1878 starb, hatte er bereits mehrere Tausend Anhänger, aber keinen designierten Nachfolger. Unter seinen Schülern taten sich mehrere als Nachfolger hervor und sechs davon trugen die Religion erfolgreich in getrennten Zweigen weiter.

Im Buch Sarbhajan (von Radhasoami Beas) steht sinngemäß in den letzten Anweisungen von Soamiji, bevor er den Körper verließ : „Mein Weg ist der von Satnaam Anami, während Rhadasoami der Weg von (Raj) Saligram ist. Lasst ihn auch damit fortfahren.“

In jedem Zweig der Religion gibt es üblicherweise immer nur einen Satguru – wenn dieser stirbt, wird von der Gemeinschaft ein Nachfolger als der neue Satguru anerkannt. Wenn bezüglich des Nachfolgers Uneinigkeit herrscht, wie in der Vergangenheit einige Male geschehen, spalten sich neue Zweige innerhalb der Bewegung ab. Jeder Zweig hat so seine Abfolge der ihm als heilig geltenden Satgurus.

Der Zweig mit den heute meisten Anhängern ist der von Baba Jaimal Singh Ji Maharaj (auch Babaji Maharaj genannt), der seinen Satsang in Beas, Punjab gründete. Ein anderer Zweig beruht auf dem Nachfolger Raj Saligram und behielt sein Zentrum in der Stadt Agra.

Lebensweise

Radhasoami-Satsangis leben streng lacto-vegetarisch und sehen als das Hauptziel des Menschen seine spirituelle Entwicklung an. Sie lehnen außer dem Konsum von Fleisch und Eiern auch Alkohol und jegliche Rauschmittel ab. Um vom Ziel der spirituellen Entwicklung nicht abzulenken, soll weltlicher Besitz auf das Notwendigste beschränkt werden. Es gibt Ashrams, in denen die Satsangis in der Nähe ihres Satgurus leben können.

„Radhasoami“ wird von Angehörigen der Religion untereinander auch als Grußfloskel verwendet. Inder benutzen dabei gerne die in Indien allgemein übliche Grußgeste des Namaste.

Shvetambaras

Die Shvetambaras (Sanskrit, m., श्वेताम्बर, śvetāmbara, Weißgekleideter) sind eine Gruppe innerhalb des Jainismus.
Im Vergleich zu den Digambaras vertreten sie eher gemäßigtere Standpunkte. So lehnen sie nicht unbedingt jeglichen materiellen Besitz ab und legen die Gebote des Jainismus allgemein liberaler aus. Die Shvetambaras bilden die große Gruppe der Laien innerhalb der Jaina-Gemeinde. Die Shvetambaras genießen den Ruf überdurchschnittlich erfolgreiche Geschäftsleute zu sein.

Digambara

Ein Digambara (Sanskrit, m., दिगम्बर, digambara, übersetzt: „im Luftkleid“, „im Himmelskleid“ oder „in die Weltweite gekleidet“) ist ein Angehöriger einer überwiegend aus Mönchen bestehenden religiösen Gruppe, die dem Jainismus angehört.
Digambaras legen die Gebote des Jainismus strenger aus als die Shvetambaras, die ebenfalls Gläubige des Jainismus sind. Digambaras sind strenge Asketen und Verfechter des uneingeschränkten Existenzrechtes eines jeden Lebewesens. Sie praktizieren die Gewaltlosigkeit (Ahimsa) deshalb sehr konsequent. In ihrem Alltag treffen sie Vorkehrungen um ein versehentliches Töten oder Verletzen anderer Lebewesen zu vermeiden. So tragen sie z. B. einen Mundschutz um ein versehentliches Einatmen von Insekten zu verhindern.
Digambaras lehnen materiellen Besitz ab und sind meist nur mit einem Lendentuch bekleidet. Sie leben teilweise oder vollständig nackt; daher die Bezeichnung Digambara – die Luftgekleideten. Das Heiligtum in Shravana Belgola bei Mysore stellt einen nach Digambara-Sitte unbekleideten Jaina-Asketen (Gommata) dar.

Jainismus


Die Karmalehre des Jainismus weist im Vergleich mit anderen Religionen indischen Ursprungs eine Besonderheit auf: Karma wird hier nicht nur als eine auf Handlung basierende Gesetzmäßigkeit von Ursache und Wirkung verstanden, sondern zudem als etwas Substanzielles aufgefasst. Jains sprechen in diesem Zusammenhang von feinstofflichen, nicht wahrnehmbaren „Karma-Partikeln“ (karma vargana) oder auch von „karmischer Materie“ (karma pudgala), und unterscheiden zwischen insgesamt 148 Arten, die zwei Hauptkategorien zugeordnet werden. Diese umfassende Typologie wird besonders ausführlich in der zentralen Lehre von den „Neun Wirklichkeiten“ (nava tattvani) auseinandergesetzt, einem Leitfaden, dessen Zweck darin liegt, dem Schüler ein theoretisches Verständnis zu vermitteln, das eine notwendige Voraussetzung für das erfolgreiche Beschreiten des jainistischen Praxisweges darstellt. In aufeinander folgenden Schritten wird der Praktizierende darüber aufgeklärt, wie der zur Bindung führende Karmaeinfluss zustande kommt, und welche Mittel ihm zur Verfügung stehen, diesen Karmaeinfluss aufzuhalten sowie das vorhandene Karma abzubauen, um dadurch die endgültige Befreiung vom Kreislauf der Wiedergeburten (moksha) zu erlangen.
Ausgangspunkt der „Neun Wirklichkeiten“ ist die Darstellung der zwei fundamentalen Substanzen (dravya), aus denen im jainistischen Denken der gesamte Kosmos besteht:
Bewusstes (jiva), das sich aus einer unendlichen Anzahl individueller Seelen zusammensetzt, und
Nicht-Bewusstes (ajiva), das in fünf Kategorien aufgefächert wird: (1) Materie (pudgala), zu der auch das Karma zählt, (2) Raum (akasha), (3) Bewegungsmedium (dharmastikaya), (4) Ruhemedium (adharmastikaya), und (5) Zeit (kala).

Ein zwischen der karmischen Materie und den Seelen herrschendes Spannungsverhältnis hält gemäß dieser Darstellung den Kreislauf der Wiedergeburten (samsara) in Gang. Unzählige Karmapartikel, die seit anfangsloser Zeit das Universum durchdringen, werden von den Seelen durch Handlungen angezogen, die sie aus Unwissenheit heraus begehen. Das Karma sammelt sich infolgedessen im Kausalkörper jeder einzelnen Seele an – einer feinstofflichen Hülle, die sie umschließt und in zwei weitere Hüllen mit graduell zunehmendem Dichtegrad eingebunden ist. Der Begriff der „Unwissenheit“ (mithyatva) bezieht sich in diesem Kontext darauf, dass die einzelne Seele durch die Verstrickung in Samsara, der sie von jeher unterworfen ist, ihre wahre Identität vergessen hat. Die aus der Karmabindung resultierende Identifikation mit dem Nicht-Bewussten, insbesondere mit dem Körper und dessen Funktionen, verschleiert die ihr innewohnenden Eigenschaften: unbegrenzte Wahrnehmung (anant darshan), Allwissenheit (ananta jnana), unendliche Energie (ananta virya) und ewige Glückseligkeit (ananta sukha). Werden diese Attribute freigesetzt, führt dies zu einem graduellen Erlöschen der Unwissenheit und letztlich zu einer Loslösung von den Fesseln des Karma.

Um die zwei möglichen Erscheinungsweisen der Seele voneinander abzuheben, unterscheidet der Jainismus in dieser Hinsicht zwischen den Merkmalen „gebunden“ (samsari) und „befreit“ (mukta). In ihrem gebundenen Zustand sind die Seelen zur ständigen Wiederkehr in die vier Daseinsbereiche (gatis) gezwungen: das Reich der Menschen (manushya), das Reich der Pflanzen und Tiere (tiryancha), den himmlischen Aufenthaltsort der Götter (devaloka) und die sieben Höllen (naraki). Selbst Berge, Felsen, Hügel, Flüsse, Wiesen, Gräser, Windböen und Stürme sind von unzähligen Seelen bevölkert, die ihr Durchwandern des Samsara nach jainistischer Auffassung ausschließlich in menschlicher Gestalt beenden können, da der Mensch als einziges Wesen die Voraussetzungen für die vollständige Erlösung mit sich bringt. Die befreiten Seelen, die sich allen Karmas entledigt haben, werden „Siddhas“ genannt. Sie haben ihre natürlichen Eigenschaften restlos zurückgewonnen und verweilen in ewiger, vollkommener Harmonie in „Siddhashila“, dem höchsten Bereich des Kosmos, der jenseits des Samsara liegt und von der Wirkkraft des Karma unberührt ist. Die Seelen bestehen in dieser formlosen Existenz aus reiner Bewusstheit, und sind frei von jeglicher Gedankenaktivität, Empfindung, Körperlichkeit oder Willensimpulsen.

Es gilt für den praktizierenden Jain, die Substanzen, aus denen sich das Weltgeschehen zusammensetzt, voneinander unterscheiden zu lernen, um eine Abkehr von allem Nicht-Bewussten einzuleiten und sich dem gereinigten, natürlichen Zustand anzunähern, der in letzter Konsequenz völlige Unabhängigkeit (kaivalya) von allem Materiellen bedeutet. Dazu ist es erforderlich, die Ursachen für die Karmabindung zu erkennen, um sie künftig vermeiden zu können. Neben der Unwissenheit zählen zu diesen Ursachen fehlende Selbstkontrolle (avirati), Unachtsamkeit (pramada), Leidenschaften (kasaya) wie Gier, Zorn und Hochmut, sowie die Tätigkeiten von Körper, Rede und Geist (yoga).

Auch die diversen Karmaarten gilt es zu unterscheiden, um ihnen gezielt entgegenzuwirken. Die zwei Hauptgruppen sind Schädliches Karma (ghati karma), dazu gehören Jnana-varaniya karma, das die Allwissenheit der Seele trübt, Darshana-varaniya karma, das die unbegrenzte Wahrnehmung der Seele verdunkelt, Mohniya karma, das die Fähigkeit zu Rechter Wahrnehmung und Rechtem Verhalten vermindert und dazu führt, dass sich die Seele mit anderen Substanzen identifiziert, sowie Antaraya karma, das die unendliche Energie der Seele schwächt und zudem das Vollbringen guter Taten verhindert.

Unschädliches Karma (ahgati karma), dazu zählen Vedniya karma, das Freude und Leid erzeugt und dadurch die ewige Glückseligkeit der Seele verdunkelt, Nama karma, das Körperlichkeit erzeugt und dadurch die formlose Existenz der Seele verschleiert, Gotra karma, das den Gleichmut der Seele trübt und Kastenzugehörigkeit, Familie, soziale Stellung und Persönlichkeit bestimmt, sowie Ayu karma, das die Lebenszeit bestimmt und damit die Unsterblichkeit der Seele verschleiert.


Nur das schädliche Karma, das sich ausschließlich auf die Seele auswirkt, kann zu Lebzeiten abgebaut werden. Gelingt dies, erreicht der Praktizierende „Kevala jnana“ (Allwissenheit). Er wird in diesem Zustand „Kevali“ (Allwissender), „Arihanta“ (Heiliger) oder „Jaina“ (Sieger) genannt. Das unschädliche Karma hält die Funktionen des Körpers aufrecht und wird daher bis zum physischen Tod weiterhin benötigt. Erst im Sterbeprozess des „Kevali“ wird es vollständig abgeworfen. Dies ist die Phase, in der sich die Seele komplett von der Wiederverkörperung loslöst und zum „Siddha“ wird.



Wenn die karmische Materie von der unerlösten Seele angezogen wurde, dauert es einen gewissen Zeitraum, bis die Handlung, die für diesen Vorgang verantwortlich war, eine Wirkung hervorgebracht hat. Solange bleiben die Karmapartikel an der Seele haften und fallen erst dann wieder von ihr ab, wenn die Handlung zur Reife gelangt und eine ihr entsprechende Wirkung zeitigt. Das kann nach kurzer Zeit geschehen, oder erst weit in der Zukunft in einer späteren Wiedergeburt. Der Prozess des Austausches, bei dem ständig frische Partikel einströmen und zur Reife gelangte Partikel wieder abfallen, vollzieht sich an der unerlösten Seele in einem permanenten Wechsel und verwickelt sie dadurch weiter in die weltlichen Angelegenheiten. Wie lange die karmische Materie an der Seele anhaftet und wie viele Karmapartikel in ihren Kausalkörper einströmen, hängt von der Absicht ab, die hinter der jeweiligen Handlung steht. Je zorniger, je gieriger die Motivation, umso mehr Karma zieht die Seele auf sich. Entwickelt die Seele hingegen Gleichmut (madhyastha) und Mitgefühl (karuna) hinsichtlich ihrer Handlungen, werden entsprechend weniger Partikel von ihr angezogen. Ziel ist es also zunächst, durch Reinigung der Handlungen den Einfluss neuen Karmas zu stoppen. Zu diesem Zweck sieht der Jainismus die Einhaltung diverser ethischer Verhaltensregeln und meditativer Praktiken vor. Dazu gehörendie „Fünf Achtsamkeiten“ (samiti), die dem Schüler vorgeben, beim Gehen, Sprechen, Almosensammeln, im Umgang mit jedwedem Objekt und bei der Entsorgung von Abfällen achtsam zu sein, um keinem Wesen zu schaden.
die „Drei Einschränkungen“ (gupti), die mit der Kontrolle von Körper, Rede und Geist einhergehen, die „Zehn Tugenden“ (yati dharma): Nachsicht, Bescheidenheit, Aufrichtigkeit, Genügsamkeit, Wahrhaftigkeit, Selbstkontrolle, Askese, Entsagung, Gleichmut und Enthaltsamkeit, die „Zwölf Betrachtungen“ (bhavna): Unbeständigkeit, Schutzlosigkeit, Wiedergeburt, die Einsamkeit der Seele, Getrenntheit von Bewusstem und Nicht-Bewusstem, die Unreinheit des Körpers, Karmaeinfluss, Aufhalten des Karmaeinflusses, Karmaabbau, Vergänglichkeit der Welt, die Schwierigkeit im Verwirklichen der Drei Juwelen (die Seltenheit der Erleuchtung), die Schwierigkeit im Auffinden der richtigen Lehre.

Wurde der Einfluss neuen Karmas zum Stillstand gebracht, muss zudem das bereits angesammelte Karma beseitigt werden. Dies wird durch die Einhaltung strenger Askese (tapas) bewerkstelligt. Es gibt im Jainismus zwei Arten von Askese:

Die äußerliche Askese (bahya tapas) diszipliniert den Körper gegen das Aufkommen von Begierden. Zu den entsprechenden Praktiken gehören: regelmäßiges Fasten, völlige Abstinenz von Essen und Trinken für einen vorgeschriebenen Zeitraum (anashana), weniger zu essen als das Hungergefühl vorgibt (unodari), Einschränkung der Nahrungsaufnahme und des Gebrauchs von materiellen Dingen (vrtti-parisankhyana), völlige Abstinenz von Butter, Milch, Tee, Süßspeisen, Gebratenem, scharfer Nahrung und Säften (rasa-parityaga), gewolltes Aushalten von körperlichen Schmerzen, z. B. barfüßiges Umherwandern in extremer Hitze oder Kälte, oder das Ausreißen von Haaren mit der bloßen Hand (kaya-klesha), Sitzen an einem einsamen Ort in ruhiger Körperhaltung, die Sinne nach innen gewandt (sanlinata).

Die innerliche Askese (abhyantara tapas) reinigt die Seele. Dazu gehören: das Bereuen schlechter Taten (prayashchitta), Demut gegenüber Mönchen, Nonnen, Lehrern und älteren Menschen (vinaya), selbstloser Dienst an Mönchen, Nonnen, älteren Menschen und Leidenden (vaiyavrata), Studieren der Schriften und aufmerksames Zuhören bei Vorträgen (svadhyaya), Meditation (dhyana), Zurücknehmen der Aktivitäten von Körper, Rede, Geist (kayotsarga).
Wurden durch kontinuierliche Praxis die vier schädlichen Karmaarten beseitigt, tritt der Praktizierende in das Stadium der Allwissenheit (kevala jnana) ein. Wenn zum Zeitpunkt des Todes auch die vier unschädlichen Karmaarten von der Seele abfallen, so erreicht sie „Moksha“ („Nirvana“), die endgültige Befreiung von erneuter Wiedergeburt. Sie steigt auf in den obersten Bereich am Scheitelpunkt des Kosmos, um dort für immer in ruhiger Seligkeit zu verharren, und kehrt nie wieder in den Kreislauf des Samsara zurück.